Was kann ich als Angehöriger tun?

Diesen Punkt haben wir speziell für Angehörige von Menschen, die ein traumatisches Erlebnis hatten, geschrieben. Aus Forschungsstudien wissen wir, dass die Unterstützung durch andere Menschen bei der Bewältigung einer Gewalttat sehr hilfreich sein kann. So können verständnisvolle Angehörige den Betroffenen helfen, das traumatische Erlebnis zu überwinden.

Angehörige fühlen sich jedoch häufig unsicher, wie sie sich gegenüber dem Menschen, der das Trauma erlebt hat, verhalten sollen. Auch sind sie oft selbst schockiert oder durch die Folgeerscheinungen wie z.B. Schlafstörungen mitbelastet. Weiterhin ist es für sie natürlich nicht leicht, die Veränderungen im Verhalten des Betroffenen zu verstehen, wenn sie nicht über Traumafolgestörungen informiert sind. Selbst wenn sie darüber informiert sind, kann es trotzdem schwierig sein, im Alltag immer den Zusammenhang zwischen der Gewalttat und dem veränderten Verhalten wie Reizbarkeit, Vermeidung von früher wichtigen Aktivitäten oder auch innerem Rückzug zu erkennen und nicht persönlich zu nehmen.

Sie finden im Folgenden einige Hinweise, wie Sie versuchen können, mit dieser schwierigen Situation umzugehen.

 

Sich informieren

Ein erster Schritt, den Sie unternehmen können, ist, sich über die typischen Folgen traumatischer Erlebnisse zu informieren. Dies kann Ihnen helfen, besser zu verstehen, warum die Ihnen nahestehende Person sich in einigen Situationen plötzlich anders verhält als früher. Unter „Folgen eines Traumas“ finden Sie Informationen, die zwar in erster Linie für Betroffene geschrieben worden sind, jedoch auch für Sie als Angehöriger hilfreich sein können.

 

Zuhören

Betroffenen fällt es häufig schwer, über das Erlebte zu sprechen. Deshalb ist das Beste, was Sie tun können, ihm einfach zuzuhören. Obwohl es gut gemeint ist, äußern viele Betroffene, dass sie es nicht mögen, wenn Angehörige oder andere Personen sagen „Ich weiß, wie du dich fühlst“ oder gar von eigenen Erfahrungen berichten. Sie können also am besten Ihrem Angehörigen aufmerksam zuhören, wenn er sich in der Lage fühlt, über die eigene Erfahrung zu sprechen. Dazu finden Sie im Downloadbereich eine Handreichung zum sog. „Aktiven Zuhören“

 

Umgang mit...

Nach einer Gewalttat erscheint die Welt den Betroffenen häufig viel gefährlicher als zuvor, so, als lauere hinter jeder Ecke Gefahr. Darüber hinaus werden sie oft von belastenden Erinnerungen gequält, die plötzlich auftreten und unkontrollierbar und überwältigend erscheinen. Daher kann es sein, dass Sie bei Ihrem Angehörigen beobachten, dass er manchmal auch in Alltagssituationen in starke Angst gerät und schreckhaft oder unruhig ist. Auch kommt es vielleicht vor, dass er Sie oder andere sehr stark beschützt und behütet, Sie häufig anruft oder Sie auffordert, besonders vorsichtig zu sein, wenn Sie das Haus verlassen. Das kann für Sie belastend oder angstauslösend sein. Wenn Ihr Angehöriger sich ängstlich fühlt, können Sie ihn behutsam daran erinnern, dass das Erlebte vorbei und er jetzt in Sicherheit ist.

Schlafprobleme, wie z.B. Einschlafschwierigkeiten, nächtliches Erwachen oder Albträume, treten sehr häufig nach traumatischen Erlebnissen auf. Falls Sie das Schlafzimmer mit Ihrem Angehörigen teilen, kann das dazu führen, dass es auch Ihren Schlaf beeinträchtigt. Es ist wichtig, auf sich selbst zu achten und sicher zu stellen, soweit wie möglich Erholung zu bekommen. Eventuell kann es also helfen, vorübergehend woanders zu schlafen. Sie können Ihrem Angehörigen helfen, indem Sie denselben Schlafrhythmus beibehalten, den Sie vor dem Erlebnis hatten, d. h. beispielsweise zu Ihrer normalen Zeit ins Bett gehen.

Ärger ist eine häufige Reaktion auf eine Gewalttat, und es ist normal, sich ärgerlich zu fühlen, wenn einem jemand einen Schaden zugefügt hat. Es kann sein, dass Sie feststellen, dass Ihr Angehöriger häufiger als früher ärgerlich ist und auch auf Sie oft gereizt reagiert. Im Rahmen einer Beratung werden die Gedanken und Gefühle, die mit diesem Ärger verbunden sind, besprochen, und dies führt in der Regel zu einer Verbesserung, In der Zwischenzeit kann es Ihnen vielleicht helfen, sich bewusst zu machen, dass sich der Ärger in der Regel nicht wirklich gegen sie richtet.
Andere Betroffene fühlen sich von anderen Menschen wie abgeschnitten und erleben kaum noch positive Gefühle. Auch dies ist zunächst normal und sehr verständlich, wenn man ständig von Angst und Furcht überflutet wird. Dann hilft es Ihnen vielleicht, sich bewusst zu machen dass Sie Ihrem Angehörigen immer noch sehr viel bedeuten, er in diesem Moment lediglich Schwierigkeiten damit hat, Nähe und positive Gefühle zu erleben.

Auch Traurigkeit ist eine häufige Folge traumatischer Erlebnisse. Es ist normal und verständlich, dass wir uns traurig fühlen, wenn wir unsere innere Sicherheit verloren haben. Wenn Ihr Angehöriger beginnt das Erlebte zu verarbeiten, wird sich auch seine Stimmung verbessern. Sie können ihm dabei helfen, indem Sie ihn liebevoll darin ermutigen, aktiv zu sein und Schritt für Schritt wieder Dinge zu tun, die früher genossen oder für die er sich interessiert hat.

Nach traumatischen Erlebnissen gebrauchen einige Betroffene verstärkt Alkohol oder Drogen, um mit Ihren Reaktionen auf das Trauma (z.B. Angst oder Schlaflosigkeit) umgehen zu können oder die Erinnerungen daran zu betäuben. Dies ist natürlich nicht hilfreich, um die aufgetretenen Probleme zu lösen, und kann Ihre Beziehung stark beeinträchtigen. Falls Ihr Angehöriger vermehrt zu Alkohol greift, ist es sinnvoll, dass er sich über die Online-Beratung bei uns meldet.