Vermeidung und übertriebene Sicherheitsmaßnahmen

Viele Menschen versuchen nach einem Trauma, die belastenden Erinnerungen an das Trauma dadurch unter Kontrolle zu bekommen, dass sie alles vermeiden, was an das Erlebnis erinnern könnte. Sie vermeiden Orte, Situationen oder Aktivitäten, die damit in Verbindung stehen, weil sie entweder befürchten, die Erinnerungen nicht aushalten zu können oder aber, dass ihnen ein neues Unheil passieren wird. Manche Menschen treffen zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen, die unnötig und überflüssig sind.
Vermeidungen und zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen sind sehr verständliche Selbstschutzmaßnahmen und oft hilfreich, um kurzfristig die Belastungen zu vermindern. Aber sie sind langfristig gesehen oft nicht die beste Strategie zur Überwindung. Die Vermeidung hindert einen daran, heraus zu finden, dass die Welt nicht so gefährlich ist, wie sie einem nach einem traumatischen Erlebnis erscheint.

 

Sozialer Rückzug

Um Erinnerungen an das Trauma bzw. gefährliche Situationen zu vermeiden, ziehen sich Menschen nach einem Trauma häufig zurück, pflegen ihre sozialen Kontakte deutlich weniger als zuvor, gehen seltener aus dem Haus und geben viele Aktivitäten auf, die vorher wichtig für sie waren (z.B. Hobbys, Freunde, Sport). Verstärkt wird dies oft auch durch ein Gefühl der Entfremdung von anderen Menschen sowie den Verlust von Interesse und Freude selbst an positiven Aktivitäten und Erlebnissen. Diese Veränderungen sind sehr verständlich, führen jedoch langfristig dazu, dass das Gefühl der Entfremdung von anderen Menschen weiter zunimmt und sie immer weniger von Menschen umgeben sind, von denen sie Unterstützung und Hilfe bekommen können. Das Aufgeben von wichtigen Aktivitäten trägt darüber hinaus zu dem Gefühl bei, nie mehr zu dem Leben vor dem Trauma zurückkehren zu können.

 

Grübeln

Ein traumatisches Erlebnis wirft für die Betroffenen viele Fragen auf, z.B. „Warum ist das Trauma gerade mir passiert?“, „Wie hätte ich es verhindern können?“, „Wird mein Leben jemals wieder so sein wie vor dem Trauma?“ oder „Warum komme ich nicht über das Ereignis hinweg?“. Das Auftauchen dieser Gedanken ist beinahe unvermeidlich. Wenn einem etwas Entsetzliches passiert ist, setzt man sich damit natürlich auseinander und überlegt, welche Folgen es für das Leben hat. Viele Betroffene erleben jedoch, dass sie sich von diesen Gedanken überhaupt nicht wieder lösen können. Sie ertappen sich dabei, dass sie immer und immer wieder über dieselben Dinge grübeln, ohne zu einer Lösung zu kommen. Dieses ständige Grübeln ist für die Verarbeitung des Traumas nicht förderlich, sondern trägt im Gegenteil dazu bei, dass die Probleme bestehen bleiben. Dies geschieht zum einen dadurch, dass die Betroffenen sich während und nach dem Grübeln häufig niedergeschlagen, ängstlich oder wütend fühlen. Darüber hinaus fällt es während des Grübelns schwer, sich auf andere Dinge zu konzentrieren, was zu einer Beeinträchtigung der Arbeit oder der Kontakte zu anderen Menschen führen kann. Schließlich verstärkt Grübeln eigene Schuld- und Schamgefühle, Selbstzweifel und insgesamt eine negative Weltsicht.

 

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